Buchtipp: Jerry Zeniuk – „How to Paint“

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Bild und Text Quelle: http://sieveking-verlag.de/novitaeten/jerry-zeniuk/

»Für mich ist beim Malen die Farbe sicher das Medium, das ich benutze, um das Herz zu berühren.«

Jerry Zeniuk

In über 40 Jahren hat Jerry Zeniuk ein eigenständiges malerisches Werk geschaffen,
in dessen Zentrum die Farbe in ihren vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten steht. Farbe steht hier ein für Emotion, die jedoch nur durch Struktur und Form zur Objektivität findet. Diese Spannung hat Zeniuk über die Zeit regelmäßig veranlasst, sich in Vorträgen und Aufsätzen zu grundsätzlichen Fragen der Malerei zu äußern. »How to Paint« fasst dieses Nachdenken nun noch einmal zusammen. In 37 kurzen Kapiteln, die
wie eine Meditation anmuten können, beleuchtet der Maler, was überhaupt ein Bild kennzeichnet und was gegenwärtig noch seinen Rang ausmacht, da die Kategorien, um die Qualität visueller Kunst zu beschreiben, unscharf geworden sind. Genauso ist unsere Fähigkeit, differenziert zu sehen, zurückgegangen. Es ist nicht mehr selbst- verständlich, das unverwechselbare Alphabet und die Syntax eines Gemäldes zu lesen.

Der Autor schreibt: »Mein Interesse ist das richtige Sehen. Sehen ist Denken. Maler sind konzeptuelle Künstler. Wir sehen dort Bildstrukturen, wo es vermeintlich nur Oberfläche und Material gibt.« In einfacher Diktion und mit nachvollziehbaren Beobachtungen umkreist Zeniuk dieses große Thema und berührt dabei zentrale Fragen. Insbesondere: Wie entsteht überhaupt Kunst, ein geistiges Faktum, aus dem schein- bar einfachen Akt, Ölpigmente auf eine Oberfläche aufzutragen? Für Zeniuk hat sich diese Frage über Jahrhunderte nicht verändert. Dementsprechend wird sein Text begleitet durch ausgewählte Abbildungen von Werken der Geschichte der Malerei, von Tizian über Velázquez, bis zu Cézanne und Mondrian.

JERRY ZENIUK (*1945) wurde 1992 als Professor an die Münchner Akademie der bilden- den Künste berufen. Heute lebt und arbeitet Zeniuk abwechselnd in New York und München. Seine Arbeiten sind in namhaften Sammlungen vertreten: Louisiana Museum, Hamburger Kunsthalle, Bayerische Staatsgemäldesammlungen München u.a.

Buchtipp – Wolfgang Ullrich „Siegerkunst. Neuer Adel, teure Lust“

Teure Kunstwerke aus billigem Trash? Banale Themen und Motive? Kunstjäger, Auftragskunst, Lifestyle und Prestigeobjekte mit horrende Preise – auf dem Kunstmarkt tummeln sich merkwürdige Erscheinung, die scheinbar mit der Kunst an sich nichts zu tun haben. Die Situation, Hintergründe & co. beleuchtet der Autor passend und bissig und wirft Fragen auf, die zum Nach- und Weiterdenken anregen.

Wolfgang Ullrich, Siegerkunst. Neuer Adel, teure Lust, Verlag Klaus Wagenbach 2016

Im SWR2 gab es ein kleines Interview mit Wolfgang Ullrich über das Buch geführt mit Wolfram Wessels.

Interview mit Wolfgang Ullrich zum nachhören:

http://www.swr.de/swr2/literatur/buch-der-woche/wolfgang-ullrich-siegerkunst-neuer-adel-teure-lust/-/id=8316184/did=17170634/nid=8316184/hl2dc0/index.html

Buchtipp – Wolfgang Welsch „Ästhetische Welterfahrung – Zeitgenössische Kunst zwischen Natur und Kultur“

Den Besuchern des Kreativ-Wochenendes 2014 ist der brilliante Vortrag von Prof. Dr. Wolfgang Welsch über „Kreativität und Kontingenz – Warum Zufälle uns voranbringen“ noch in lebhafter Erinnerung; wer ihn verpasst hat, kann der Lecture auf unserem Youtube-Channel folgen: https://www.youtube.com/watch?v=r3k_YOt-9D8

Nun hat der international renommierte Philosoph, der dieses Jahr mit dem Premio Internazionale d´Estetica ausgezeichnet wurde, eine Sammlung von Essays vorgelegt, mehrheitlich Erstveröffentlichungen von den letzten Jahren gehaltenen Vorträgen. Im Vorwort dazu erklärt der Autor:

„Der Titel dieses Bandes – „Ästhetische Welterfahrung“ – bringt zum Ausdruck, dass ästhetische Erfahrung uns über die Spiegelspiele nur der Kunst hinausführen, dass sie uns mit der Welt verbinden, dass sie Welt entdecken und neue Weltsichten eröffnen kann. Der Untertitel – „Zeitgenössische Kunst zwischen Natur und Kultur“ – bezieht sich auf die aktuelle Agenda. Mit dem Wegfall des Mensch-Welt-.Dualismus ist auch die kategoriale Unterscheidung zwischen Natur und Kultur brüchig geworden. Mensch, Kultur und Kunst bewegen sich prinzipiell in einem Spielfeld, das die herkömmliche Trennung von Natur und Kultur nicht mehr zulässt, sondern beides umfasst. Die zeitgenössische Kunst arbeitet vielfach an dieser Thematik, und die nachfolgenden Essays wollen einige ihrer Suchbewegungen und Transformationen ausloten.“

Wolfgang Welsch, Ästhetische Welterfahrung – Zeitgenössische Kunst zwischen Natur und Kultur, Paderborn, Wilheml Fink 2016, ISBN 978-3-7705-6134-6

Buchtipp – Michael Hutter und der ästhetische Kapitalismus

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung betitelt ihren Artikel vom 13.Januar 2016 über das neue Buch von Michael Hutter so: „Wie die Ökonomie den Geist vertreibt. Mit Kunst spielt man nicht: Michael Hutter erklärt den ästhetischen Kapitalismus“. Aus der Sicht des Ökonomen mit kunsthistorischem Hintergrundwissen zeigt Hutter gerade gegen Ende seines Buches welche Einwirkungen das Kapital auf die Kunst und den Kunstmarkt und das seit der Renaissance.

Michael Hutter: „Ernste Spiele. Geschichten vom Aufstieg des ästhetischen Kapitalismus“, Wilhelm Fink Verlag, München 2015

Prof. Michael Hutter war 2014 Gast beim 1. Kreativwochenende in der Kunstakademie Bad Reichenhall. Seinen Vortrag bei uns gibt es hier.

Buchtipp

Nach der Lektüre sind Sie vielleicht um ein paar Illusionen über Kunst heute  ärmer, dennoch möchten wir Ihnen das 2015 erschienene Taschenbuch „Die Kunst und das gute Leben – Über die Ethik der Ästhetik“ (Edition Suhrkamp) empfehlen. Verfasser dieses Plädoyers für ein neues Künstlerethos  ist Hanno Rauterberg, promovierter Kunsthistoriker und Redakteur im Feuilleton der „Zeit“.